Das seine tun zur rechten Zeit – Arbeit und Leben
Wir haben im April und Mai zwei sehr schöne Konfirmationen gefeiert. Und haben schon einen kleinen Blick auf das geworfen, was danach kommen kann. Zu den vielen Sachen, die für die Konfis anstehen, gehört früher oder später auch ein Beruf dazu.
Im Gespräch tauschten wir uns bereits im Konfi-Unterricht darüber aus, was das sein könnte und ob man sich darauf freuen kann? – Was würden Sie einer Konfirmandin oder einem Konfirmanden auf diese Frage antworten?
Arbeit prägt unser Leben auf ganz unterschiedliche Art und Weise: Manchmal als stressiges Mühen, manchmal als spaßiges Werkeln, manchmal aber auch als belastendes Aufschieben oder auch als Dienst für andere. Doch weder ein Zuviel von derselben Arbeit noch keine gescheite Arbeit zu bekommen, macht den Menschen wirklich glücklich.
Oft ist in diesem Zusammenhang von der „Work-Life-Balance“ die Rede. Sicherlich ein guter Ansatz, aber was sagt das eigentlich über unsere Arbeit aus, wenn das Leben scheinbar erst außerhalb der Arbeit beginnt? Dann wird Arbeit schnell als mühsam, stumpfsinnig und eintönig abgetan. Dabei gehört sie doch zu unserem Leben dazu. Arbeit ist ein wesentlicher Teil des Menschseins. Sie gibt uns die Möglichkeit, sich kreativ und schöpferisch zu entfalten. Etwas zu tun, das uns einen Sinn und Erfüllung gibt.
Darum ist Arbeit auch ein geistliches Thema. Seit der Reformation gilt sie als „Gottesdienst im Alltag der Welt“ (Martin Luther). Ob jemand als Schreiner mit den Händen arbeitet, als Mathematiker mit Zahlen jongliert oder als Pfarrer mit Worten hantiert – keine Aufgabe ist wertvoller als die andere. Entscheidend ist, dass sie gewissenhaft getan wird.
Heute stellt sich zudem die Frage, wie sich unsere Arbeit verändert, wenn künstliche Intelligenz immer mehr das Denken übernimmt. Ist es am Ende gleichgültig, wofür wir arbeiten, solange die Bezahlung stimmt? Zeit ist nicht allein nur Geld – Zeit ist Leben.
Und Arbeit besteht ja nicht nur aus dem, was bezahlt wird. – Ist unentgeltliche Zeit im Ehrenamt, etwa keine Arbeit? Oder die Erziehung von Kindern und die Zuwendung zu älteren Menschen? – Das ist Arbeit, die auf keinem Lohnzettel erscheint und doch unverzichtbar für unser Gemeindeleben und für unser gesellschaftliches Zusammenleben ist.
Vielleicht müssen wir neu lernen, was Arbeit und Ruhe bedeuten. Können wir uns noch den siebten Tag schenken lassen – als Zeit der Ruhe, des Aufatmens und der Gemeinschaft mit Gott? Gerade in einer rastlosen Welt bleibt die Sonntagsruhe eine Einladung, unser Leben nicht allein nach Leistung zu bemessen. Der Sonntagsschutz soll den Menschen davor bewahren, ständig verfügbar und leistungsbereit sein zu müssen. – Eben das seine tun zur rechten Zeit.
Ihr Pfarrer T. Alius
