Bericht unseres Kirchenführers 
Friedrich-Andreas Hühn

Vor Mühlhausen habe ich Jahrzehnte in Ulm gelebt. Die Stadt war mir vertraut und zu Ulm gehört selbstverständlich das Münster. Es war für mich selbstverständlich, beim samstäglichen Einkaufsbummel in der Innenstadt, auch einen Blick in das Münster zu werfen.

75. Jahrestag der Zerstörung der Walpurgiskirche und von Mühlhausen

 

Am 15. April 2018 jährt sich zum 75. Mal die Bombardierung von Mühlhausen und deren Nachbargemeinden. In der Nacht vom 14. auf den
15. April 1943 begannen um ¾ 1 Uhr die Sirenen in Mühlhausen an zu heulen. Um kurz vor 1 Uhr war schwerer Fluglärm zuhören und die Flak setzte ein.
Zu dieser Zeit begann der Luftangriff der britisch- amerikanischen Luftstreitkräfte auf den Norden von Stuttgart. In dieser Nacht ging das Jahrhunderte alte Mühlhausen unwiderruflich im Bombenhagel verloren. Am Morgen des 15. April 1943 sah man im Flecken nur noch qualmende Ruinen.
In dieser Nacht brannten nicht nur ca. 60 Wohnhäuser und fast alle Scheunen ab, sondern auch unsere ursprüngliche Pfarrkirche, die Walpurgiskirche. Bis dahin auch „obere“ Kirche genannt war die Walpurgiskirche die ältere der beiden Kirchen in Mühlhausen. Während die Veitskapelle ab 1380 gebaut wurde, ragte die Walpurgiskirche bereits seit mindestens 1187 über Mühlhausen, deren Ursprung die Burgkapelle der Heidenburg war und der Heiligen Walpurga gewidmet war.
Während die Veitskapelle seit 1380 baulich fast unverändert blieb wurde die Walpurgiskirche stets der Zeit entsprechen umgebaut und mit wachsender Gemeinde stets erweitert. Im Jahre 1488 wurde bspw. die Walpurgiskirche nach Westen erweitert und nun durch den Abbruch des Stalls über den Burgkeller gebaut, der bis heute noch existiert. 1783 wurde nochmals beträchtlich erweitert und umgestaltet. Dabei wurden Münzen von Papst Urban III. gefunden und Reliquien, nämlich Holz vom Kreuz Christi und Gebeine vom heiligenden Georg. 1812 wurde der Turm erhöht und mit einem neuen Dach versehen.

Von der ursprünglichen Walpurgiskirche ist heute noch die West- und Nordmauer vorhanden, sowie
ihr Kirchturm in dem einst der Chor war. In diesem wurde um 1390 das noch heute existierende Rippenkreuzgewölbe eingebaut und mit den Symbolen der vier Evangelisten und acht Heiligen bemalt und zur Sakristei umgewandelt. Heute ist hier das Cafele im Turm untergebracht.
Die Veitskapelle blieb ebenfalls nicht unbeschadet in dieser Nacht. Das südliche Dach, die Fenster und der Verputz wurden durch die Druckwellen der Explosionen zerstört und nur dank der damaligen Pfarrerskinder begann nicht der Dachstuhl an zu brennen. Dadurch blieb der kunstvolle Kirchen- innenraum mit den wertvollen Wandmalereien unzerstört.
Während die Walpurgiskirche in der Bombennacht nicht mehr vor den Flammen gerettet werden konnte so wurden zumindest Teile Ihrer Ausstattung bereits vorsorglich ausgelagert und fanden in unserer Veitskapelle nach dem Krieg ein neues Zuhause. So kam das Gemälde von Freifrau Maria Magdalena von Closen, geb. von Eyb und das Ölgemälde von den 4 Evangelisten und deren Attribute neu, sowie der Jungfrauenalter, der bereits im 18. Jahrhundert von der „oberen“ in die „untere“ Kirche gebracht wurde, wieder in die Veitskapelle. „Oben“ verblieb das Grabdenkmal von Ritter Max von Neuhausen, der heute noch im Innenhof vor dem Walpurgishaus liegt.

Durch die Zerstörung der Walpurgiskirche war die Kirchengemeinde heimatlos und so zog man im Mai 1943 in die Veitskapelle um, in der dann erstmals seit rund 370 Jahren wieder Gottesdienst abgehalten wurde.
In dieser Nacht verloren die Mühlhäuser nicht nur Ihr Hab und Gut in den brennenden Gebäuden, sondern auch geliebte Menschen. Durch eine explodierende Luftmine verstarben 11 Menschen und weitere 11 Mitbürger erstickten eingeschlossen im Keller, außerdem kamen 1 Feuerwehr- und 1 Arbeitsmann ums Leben. Diesen 24 Todesopfern sei ebenfalls zum 75. Todestag gedacht.

Herzlichen Dank für den Bericht an Herrn Ralf Brust

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