Regenbogengemeinde

Wir sind offen

für Lesben und Schwule in unserer Gemeinde

für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

für Pfarrerinnen und Pfarrer, die mit ihrer Partnerin/ihrem Partner im Pfarrhaus leben wollen

Für uns ist es selbstverständlich, dass Lesben und Schwule zur Kirchengemeinde gehören. Menschen unterschiedlicher Lebensformen und sexueller Identitäten sind willkommen!“  
Für dieses Anliegen wurde die Initiative Regenbogen gegründet.

 

 

Bericht unseres Kirchenführers 
Friedrich-Andreas Hühn

Vor Mühlhausen habe ich Jahrzehnte in Ulm gelebt. Die Stadt war mir vertraut und zu Ulm gehört selbstverständlich das Münster. Es war für mich selbstverständlich, beim samstäglichen Einkaufsbummel in der Innenstadt, auch einen Blick in das Münster zu werfen.

Nun lebe ich seit gut vier Jahren in Stuttgart Mühlhausen. Fast gehörte die Bereitschaft zur Kirchenführung auch zu den Nebenklauseln des Mietvertrages. Anfangs habe ich mich mit der Veitskapelle schwer getan. Es gab so unendlich viel Material zum Lesen. Aber ich wollte doch auch schauen und begreifen. Nach einer Beschreibung den Blick auf die richtige Wandausmalung zu richten, war gar nicht so einfach. Die Ausmalung ist so außerordentlich reichhaltig und vielfältig. Dann kamen das Thema der Restaurierung und auch die damalige alte Beleuchtung dazu. Die Frage war immer, die künstliche Beleuchtung anmachen und damit immer wieder geblendet zu werden oder mit dem natürlichen, schummrigen Licht klar zukommen? Und dann die Restaurierung mit ihren Gerüsten und der „Zerteilung“ der Bilder! 

All das ist vorbei. Mit der neuen Beleuchtung sind das Credo und die biblischen Geschichten im Hauptschiff sowie im Chor der Veitszyklus, das jüngste Gericht, die Leidenswerkzeuge, die Marienbilder, die Kirchenväter und die Evangelistensymbole hervorragend zu sehen.

All diese Motive sind so interessant und beinhalten neben den religiösen Hintergründen auch so viele geschichtliche und kunsthistorische Aspekte. Immer wieder tauchen für mich neue Fragen auf, deren Beantwortung zu neuen Kontakten mit Fachleuten führen, weitere Bibliotheksrecherchen bedingen oder das Internet nutzen lassen.

Einige neue Fragen kommen auch durch die Kirchenführung. Kritische Rückfragen oder auch Hinweise auf andere Kirchen mit besonderen Ausmalungen. Unsere Veitskapelle ist nicht die älteste Kirche in Stuttgart, aber sie ist die Kirche mit den besterhaltenen, originalen Wandmalereien. 1380 war die Grundsteinlegung, so wie es den beiden Inschriften über den Türportalen zu entnehmen ist. Auf der Nordseite in deutscher Sprache und auf der Südseite in Lateinisch. Den ersten Ausmalungsabschnitt gab es bereits 1385, zur Zeit der Weihe der Veitskapelle. Es war das Credo, das apostolische Glaubensbekenntnis, das uns in den Bildern mit Christus, den zwölf Aposteln und ebenso vielen alten Propheten über dem Triumphbogen an der Ostwand des Kirchenschiffs erhalten geblieben ist. Die Wandmalereien der Veitskapelle sind so bedeutsam, dass darüber 1976 sogar eine Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades „Doktor der Philosophie“ an der Eberhard – Karls – Universität Tübingen geschrieben wurde.

Aber nicht nur die Wandmalereien sind kunsthistorisch wertvoll, auch die Holzarbeiten, und damit vor allem die Altäre, sind bedeutsam. Ein ehemaliger Altar, der erste Hochaltar im Chor der Veitskapelle, steht heute in der Stuttgarter Staatsgalerie und ist dort ein besonderes Schmuckstück.

Nicht weit entfernt von der Staatsgalerie ist das Hauptstaatsarchiv gelegen. Auch hier gibt es ein Objekt, das für mich einen Zusammenhang mit der Veitskapelle hat. Es ist das einzige Stück “Weltkulturerbe“, dass wir in Stuttgart haben. Es ist ein Dokument, die Goldene Bulle, die Verfassung des „Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation“ von 1356. Es war die Zeit des Luxemburger Kaisers Karl IV. Er ließ die Goldene Bulle verfassen und das eine Exemplar, das für den Trierer Kurfürsten geschrieben wurde, kam Anfang des 19. Jahrhunderts nach der Erlangung der Königswürde für Württemberg auf Veranlassung des Königs nach Stuttgart. Karl IV ist auch der Herrscher in Prag gewesen, dem sich die beiden Brüder Reinhard und Eberhard von Mühlhausen besonders verbunden fühlten. Seinem älteren Bruder Eberhard zur ehrenden Erinnerung stiftete der jüngere Reinhart die Veitskapelle in ihrer Heimat.

Für mich hat die Beschäftigung mit der Veitskapelle und ihrer Ausstattung schon viele neue Erkenntnisse gebracht und ich bin sicher, dass es nicht 

dabei bleiben wird.

Friedrich-Andreas Hühn