Regenbogengemeinde

Wir sind offen

für Lesben und Schwule in unserer Gemeinde

für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

für Pfarrerinnen und Pfarrer, die mit ihrer Partnerin/ihrem Partner im Pfarrhaus leben wollen

Für uns ist es selbstverständlich, dass Lesben und Schwule zur Kirchengemeinde gehören. Menschen unterschiedlicher Lebensformen und sexueller Identitäten sind willkommen!“  
Für dieses Anliegen wurde die Initiative Regenbogen gegründet.

 

 

Die Veitskapelle wurde laut Portalinschrift an der Nordseite (an der Südseite der gleiche Text auf Latein) 1380 von Reinhart von Mühlhausen gestiftet. „do man zalt von gottes geburt MCCCLXXX jar an dem mendag vor sant Urbans Dag wart dis capell angehebt von dem erbarn man renhart von mühlhusen burger zuo prag.“

Reinhart stammte aus Mühlhausen und arbeitete zusammen mit seinem Bruder Eberhard zunächst am Hof von Graf Eberhard dem Greiner und anschließend am Hofe Karl IV. in Prag. Dort hatten sie auch das Bürgerrecht inne. Sein zweiter Bruder war Schultheiß in Mühlhausen. Als Ratsherr, Richter und mehrfacher Hausbesitzer nahm Reinhart am Aufstieg und Glanz der Stadt Prag teil und taucht von 1373 bis 1400 in mehreren Geschichtsquellen von Prag auf. Ursprünglich war das gotische Bauwerk „St. Wenzeslaus, St. Veit und St. Sigismund“ geweiht. Hierdurch entstand zwischen Mühlhausen und Prag eine Beziehung, da diese drei Heiligen auch besonders in Böhmen verehrt wurden und weniger am Neckar. Jedoch ging wohl dieser Gedanke nach dem Tode von Reinhart, wahrscheinlich 1400, verloren, da im 15. Jahrhundert Veit Hauptpatron wird und in der Chorausmalung (von 1428) Veit in den Vordergrund gerückt wird, während Wenzeslaus und Sigismund nur noch in jeweils zwei Wandbildern erwähnt werden. Des Weiteren übernimmt Veit im Hochaltar von 1510 das Zentrum im Schrein und die Altarflügel berichten über sein Leben.

Reinhart erhielt 1385 aus 15 Häusern in Prag Einkünfte und war dadurch sehr reich. Daher erhielt auch die Veitskapelle eine dem Reichtum entsprechende Ausstattung. Zu berücksichtigen ist, das zur damaligen Zeit keine Notwendigkeit für eine zweite Kirche in Mühlhausen bestand, da die Walpurgiskirche als Pfarrkirche für Mühlhausen ausreichte und daher die Veitskapelle nur auf
bestreben von Reinhart erbaut wurde.

1385 war die Kapelle fertig erstellt und erhielt einen kostbaren, gemalten Altar aus der damals führenden Prager Werkstatt des Meisters Theoderich. Die weitere Ausstattung, wie Malerei und Einbauten, zog sich in verschiedenen Abschnitten noch durch das ganze Mittelalter hin. Dann aber wurde die Veitskapelle bis zur Gegenwart fast unverändert gelassen.

1396 bekam Reinhart von Graf Eberhard dem Milde von Württemberg das Recht eingeräumt über das Patronat seiner Kapelle zu verfügen. Die Kapelle diente danach stets der örtlichen Ortsherrschaft und diente bis zur Reformation als Messkirche, in der jeden Morgen eine Messe abgehalten wurde und den Stifter mit einschloss.

Im Laufe der Zeit wurde es um die Veitskapelle in Mühlhausen ruhiger, dadurch entkam sie wahrscheinlich auch den Bilderstürmen und dem Übertünchen der Wandmalereien in der Reformation und vor Schäden in Kriegen. Erst 1780 kam die Veitskapelle wieder in den Blick, als die Walpurgiskirche zu klein wurde. Es wurde überlegt den Chor abzubrechen und aus der Kapelle eine Saalkirche zu
machen. Glücklicherweise wurden diese Pläne verworfen und stattdessen die Walpurgiskirche umgebaut. 1813 wurde die Veitskapelle durch Russen, die in den Befreiungskriegen durch Mühlhausen kamen, als Magazin und Pferdestall verwendet. Dadurch wurden die letzten Aktivitäten in der Veitskapelle eingestellt. Ab 1831 wurde die Veitskapelle zur Aufbewahrung von Getreide und Stroh verwendet und verwahrloste teilweise als Wirtschaftsgebäude. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde sie wieder besser gepflegt und gesäubert, außerdem wurden an der Südseite im Chor Glasfenster mit allen Wappen aller Ortsherren eingesetzt und der ehemalige Altar von 1385 restauriert und 1902 in die Staatsgalerie entführt. Dieser befand sich von 1510 bis 1902 ausgemustert in der Veitskapelle.

Die größte Gefahr bestand für die Veitskapelle im 2. Weltkrieg durch die zunehmende Bombardierung deutscher Städte. Daraufhin wurden ihre Altäre nach Friedrichshafen ausgelagert und Vorsorgemaßnahmen getroffen. In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1943 wurde Mühlhausen bombardiert und sehr stark zerstört. Während fast der gesamte alte Ortskern zerstört wurde, wie auch die Walpurgiskirche, blieb die Veitskapelle fast unbeschadet, Dach und Fenster wurden jedoch komplett zerstört. Nach dem Verlust der Walpurgiskirche wurde daraufhin die Veitskapelle zur Pfarrkirche von Mühlhausen bestimmt. Daraufhin wurde auch immer wieder eine notdürftige Restaurierung durchgeführt.